Kirche und Geld 2016

Der Auftrag der Kirche ist ein anderer als derjenige von Unternehmen. Die Verpflichtung, mit den uns anvertrauten Mitteln sorgsam umzugehen, gilt für die Kirche jedoch umso mehr. Deshalb setzen wir Instrumente ein, die einen klaren Blick auf die Finanzen einer großen Organisation ermöglichen. Dazu ist die doppelte Buchführung in Kontenform (Doppik) am besten geeignet. Der Franziskanermönch, Mathematiker und Lehrer Leonardo da Vincis, Luca Pacioli, verhalf ihr gegen Ende des 15. Jahrhunderts zum Durchbruch.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) bewegt jährlich ca. 900 Mio. €. Sie ist also durchaus ein wirtschaftlicher Akteur, obwohl kirchliches Handeln keine geschäftlichen Zwecke verfolgt. In der Darstellung der wirtschaftlichen Zusammenhänge greifen wir auf Fachtermini der Finanzsprache zurück. Einige mag erstaunen, dass dies in der Kirche bisweilen ambivalent aufgenommen wird. Die Zurückhaltung gründet sich weniger auf den Wunsch, am Bekannten festzuhalten. Im Vordergrund steht vielmehr die Sorge, ökonomische Aspekte könnten die Diskussion prägen und andere Blickwinkel in den Hintergrund drängen.


Versuche, wirtschaftliche Abläufe sprachlich zu „verkirchlichen“, geben jedoch wenig Anlass zur Hoffnung. Sie schaffen meist wenig Klarheit. In der Regel ermöglichen sie weder Kircheninsidern noch Außenstehenden, die Zusammenhänge zu erfassen. Gerade die außerkirchliche Öffentlichkeit fordert von uns Transparenz ein. Deshalb verwenden wir Begriffe, die Außenstehende kennen. Und wenn in der innerkirchlichen Diskussion finanzielle Gesichtspunkte ebenso präzise benannt werden wie andere Aspekte, dann schadet das nicht, sondern trägt zum Erkenntnisgewinn bei.

Wo jedoch die Fachsprache mehrere Begriffe anbietet, wählen wir denjenigen, der dem kirchlichen Duktus näher ist. Wir ziehen bspw. die „Ertrags- und Aufwandsrechnung“ oder „Ergebnisrechnung“ der „Gewinn- und Verlustrechnung“ vor, ebenso das „Reinvermögen“ dem „Eigenkapital“.


Entwicklung der Kirchensteuer

Mit 712 Mio. € verzeichneten wir 2015 den bislang höchsten Ertrag aus Kirchensteuern (Vorjahr: 675 Mio. €). Der derzeitige wirtschaftliche Aufschwung ist einer der längsten in der Geschichte der Bundesrepublik. Dem Wirtschaftswachstum folgend, steigt das Steueraufkommen des Bundes seit sechs Jahren kontinuierlich. Im Windschatten der Einkommensteuer wachsen auch die Erträge aus der Kirchensteuer, bei der ELKB seit 2010 inflationsbereinigt um 18,3 %. Dafür können wir dankbar sein.


Gleichzeitig wissen wir, dass die Konjunktur zyklisch ist, dem Aufschwung also ein Abschwung folgt. Es wäre deshalb nicht verantwortbar, davon auszugehen, dass die derzeitige Entwicklung des Steueraufkommens sich unbegrenzt fortsetzen wird. Dies gilt umso mehr, wenn wir die Altersstruktur unserer Mitglieder im Auge behalten. Der Anteil derjenigen, die sich dem Ende ihres Erwerbslebens nähern, ist überproportional groß. In dieser Lebensphase ist das Einkommen typischerweise am höchsten. Mit dem Eintritt in den Ruhestand sinkt das Einkommen, was sich im Kirchensteuerertrag niederschlägt. Das Altersgefüge der Steuerzahlenden ist die eine demografische Herausforderung für die Kirchen.

Die erfreulichen Zahlen des abgelaufenen Jahres sind vor dem Hintergrund dieser langfristigen Entwicklungen zu betrachten.

„Wir wissen, dass die Konjunktur
zyklisch ist, dem Aufschwung also
ein Abschwung folgt.“
Erich Theodor Barzen, Finanzreferent der ELKB

Positives Jahresergebnis

Bei Gesamterträgen von 914 Mio. € und Aufwendungen von insgesamt 901 Mio. € erreichen wir 2015 einen positiven Saldo von 13 Mio. € (1,4 % der Gesamterträge). Diesen Saldo bezeichnet die Fachsprache als „Jahresergebnis“. Es gibt an, ob mehr Ressourcen zugeflossen als abgeflossen sind. Im gleichen Maße ändert sich das Reinvermögen. Die ELKB weist folglich zum 31.12.2015 ein Reinvermögen aus, das um 13 Mio. € größer ist als am 01.01.2015. Das Jahresergebnis ist eine zentrale Kennzahl und Ausgangspunkt der Analyse.

Das Jahresergebnis gliedert sich auf in das laufende Ergebnis (Fachterminus nach kirchlichem Haushaltsrecht: Ergebnis der gewöhnlichen kirchlichen Tätigkeit) von + 66 Mio. € und ein außerordentliches Ergebnis von - 53 Mio. €. Das laufende Ergebnis ist jedoch stark beeinflusst von aperiodischen Effekten. Aperiodisch sind die Umstände, die wir erst im aktuellen Jahresabschluss erfassen, die wirtschaftlich aber nicht oder nicht nur dem aktuellen Jahr zuzuordnen sind, wie z. B. eine bessere Datenlage über vergangene Jahre (siehe dazu unten). Eliminiert man diese Effekte aus dem laufenden Ergebnis (38 Mio. €), so verbleibt ein „periodisches“ Ergebnis von 28 Mio. € (ca. 3,1 % des Haushaltsvolumens). Dieses ist dem Jahr 2015 wirtschaftlich zuzurechnen. Es basiert im Wesentlichen auf einem geplanten Überschuss von 4 Mio. €, Mehrerträgen von 9 Mio. € und einem Minderaufwand im Personalbereich von 15 Mio. €. Das periodische Ergebnis spielt für unsere Haushaltsplanung eine wichtige Rolle.

Berücksichtigt man, dass wir mit dem Haushaltsplan 2015 Projekte beschlossen haben, die uns in künftigen Jahren noch gut 15 Mio. € kosten werden, verbleibt ein Überschuss von gut 12 Mio. € (1,3 % der Gesamterträge).


Das außerordentliche Ergebnis (- 53 Mio. €) sowie der aperiodische Teil des ordentlichen Ergebnisses (+ 38 Mio. €) resultieren aus der zweiten demografischen Herausforderung, dem Thema Altersversorgung und Beihilfe im Ruhestand. Der größte „Brocken“ (- 70 Mio. €) ist die Anhebung der Rückstellung für Beihilfe im Ruhestand auf nunmehr 563 Mio. €. Ursache ist die steigende Lebenserwartung, die möglicherweise im nächsten Jahresabschluss zu einer nochmaligen Anhebung der Rückstellung führen wird. Entlastend wirkten dagegen versicherungsmathematische Gewinne (+ 23 Mio. €), die Verbesserung der Datenqualität im Pensionsgutachten (+ 19 Mio.), die über unserer Planung liegende Erhöhung der staatlichen Renten, welche unsere Zahlungspflichten gegenüber den Pensionärinnen und Pensionären mindert (+ 11 Mio. €), sowie weitere, kleinere Effekte.

„Der Auftrag der Kirche
ist ein anderer als derjenige
von Unternehmen.“
Erich Theodor Barzen

Aktuelle Ergebnisplanung

Will man das Jahresergebnis und das periodische Ergebnis (1,4 % bzw. 3,1 % der Gesamterträge) einordnen, so sind sie in den oben aufgezeigten Kontext von Konjunkturzyklus und Demografie zu stellen. Dazu gehört insbesondere, dass demnächst mehr Mitglieder in den Ruhestand treten werden, als junge Evangelische ins Arbeitsleben nachrücken.

Im Jahre 2016 ist die wirtschaftliche Lage weiterhin stabil. Der Haushaltsplan sieht ein positives Jahresergebnis von 16 Mio. € vor, welches identisch ist mit dem geplanten Ergebnis der gewöhnlichen kirchlichen Tätigkeit (1,8 % der Gesamterträge). Das geplante Jahresergebnis mindert den bilanziellen Fehlbetrag.


Bilanz

Rückstellungen für Pensionen (2,9 Mrd. €) und für Beihilfe im Ruhestand (563 Mio. €) prägen weiterhin die Passivseite der Bilanz. Die Rückstellungen zeigen an, zu welchen künftigen Zahlungen die ELKB rechtlich verpflichtet ist. Zugrunde gelegt sind ein Abzinsungsfaktor (Abzugsfaktor) von 3,5 % p. a. und die heute führende Sterbetafel (Heubeck 2005 G). Die Rückstellungen geben keinen Aufschluss über das Vermögen der ELKB. Dies wird auf der Aktivseite ausgewiesen (s. u.). Die übrigen Passiva summieren sich auf ca. 8 % der Bilanzsumme von 3,7 Mrd. €.

Die größten Positionen auf der Aktivseite (Vermögensseite) sind die Finanzanlagen (1,6 Mrd. €, im Wesentlichen Wertpapiere) und die anrechenbaren Ansprüche gegen die Deutsche Rentenversicherung (1,2 Mrd. €). Im Verhältnis dazu ist das – zu Anschaffungskosten bewertete - Immobilienvermögen mit ca. 167 Mio. € gering. Die kirchlichen Immobilien stehen überwiegend im Eigentum von Gemeinden, Dekanatsbezirken und Pfründestiftungen, nicht aber im Eigentum der Körperschaft ELKB. Deren Immobilien, sonstige Vermögensgegenstände und Verpflichtungen sind in der Bilanz der ELKB nicht erfasst.

Konzentrierte Teilnehmer: Zweimal im Jahr trifft sich die Synode – das Kirchenparlament – zu mehrtägigen Sitzungen. Dabei wird auch der Haushalt, also das der Kirche insgesamt sowie den Gemeinden und Einrichtungen zur Verfügung stehende Budget, diskutiert und beschlossen.
Konzentrierte Teilnehmer: Zweimal im Jahr trifft sich die Synode – das Kirchenparlament – zu mehrtägigen Sitzungen. Dabei wird auch der Haushalt, also das der Kirche insgesamt sowie den Gemeinden und Einrichtungen zur Verfügung stehende Budget, diskutiert und beschlossen.

Die drittgrößte Position der Aktivseite ist der „nicht durch Reinvermögen gedeckte Fehlbetrag“ von 366 Mio. €. Um diesen Betrag übersteigen die Verpflichtungen der ELKB ihr Vermögen. Da die Verpflichtungen der ELKB jedoch sehr langfristiger Natur sind (Altersversorgung) und die ELKB ferner eine hohe Liquidität aufweist, ist die Vermögenslage gleichwohl solide.

Handlungsfähigkeit langfristig sichern

Um auch in jenen Jahren zuverlässig zu bleiben, in denen die Steuererträge nachlassen werden, hat die ELKB drei Maßnahmen eingeleitet:

- Altersversorgung: Seit dem Haushaltsjahr 2014 bilden wir jedes Jahr Rückstellungen in Höhe des kompletten Aufwands, der dem jeweiligen Jahr zuzurechnen ist. Im „Gemischten Ausschuss Versorgung: Den Übergang gestalten – verlässlich in die Zukunft gehen“ durchleuchten wir alle Aspekte des vielschichtigen Themas.

- In dem Prozess „Profil und Konzentration“ arbeiten wir heraus, an welchen Stellen die ELKB stärker Schwerpunkte setzen sollte und wo sie sich beschränken kann.

- Bereits eingeführt ist die dritte Maßnahme, die sogenannte Vorsteuerung der Haushaltsplanung. Die Vorsteuerung ist eine Vorgabe über die Höhe (fast) des gesamten Budgets, welche die Landessynode vorab beschließt und dem Landeskirchenrat für die Haushaltsplanung auf den Weg gibt. Das Haushaltsvolumen 2016 durfte danach um höchstens 1 % über dem Volumen von 2015 geplant werden. In diesem Korridor sind wir für 2016 auch tatsächlich geblieben. Für 2017 liegt der Wert bei maximal 1,8 %. Auch dieses selbstgesteckte Ziel werden wir aller Voraussicht nach erreichen. Die bisherigen Erfahrungen mit dem Mechanismus stimmen also positiv.

Fazit

Die gestiegenen Steuererträge führen aktuell zu einem bescheidenen Überschuss. Die mittel- und langfristigen Entwicklungen, insbesondere die Demografie, nehmen wir frühzeitig in den Blick. Mit klarer Analyse, folgerichtigem Handeln und Gottvertrauen werden wir auch diese Herausforderungen meistern.